Startseite › Blog › 7 Tage Tokyo
Eine Woche nur Tokyo? Für viele klingt das im ersten Moment zu lang, schließlich will man auf der ersten Japanreise doch auch Kyoto sehen, Osaka, vielleicht Hiroshima. Ich glaube aber, dass eine Woche Tokyo eine der unterschätztesten Arten ist, Japan kennenzulernen.
Man bleibt die ganze Zeit im selben Hotel, schleppt keinen Koffer durch Bahnhöfe und hat trotzdem Tempel, Meer, Berge und eine der aufregendsten Städte der Welt. So würde ich die sieben Nächte verbringen. Es ist dieselbe Route, die in meinem Routenbuch „Japan, Tag für Tag“ als Route 3 steht, hier allerdings in der kurzen Fassung.
| Tag | Thema | Das Herzstück |
|---|---|---|
| 1 | Ankunft | Shinjuku zu Fuß, das erste Yakitori |
| 2 | Tokyo Ost | Sensō-ji am frühen Morgen, Ueno, Yanaka, Akihabara |
| 3 | Tokyo West | Meiji-Schrein, Harajuku, Shibuya zum Sonnenuntergang |
| 4 | Ausflug ans Meer | Kamakura und Enoshima |
| 5 | Tokyo Mitte | Tsukiji, teamLab, Tokyo Tower, Ginza |
| 6 | Ausflug nach Wahl | Hakone, Nikkō oder Fuji |
| 7 | Das andere Tokyo | Shinjuku Gyoen, Kichijōji, Shimokitazawa, Golden Gai |
| 8 | Abreise |
Vier Tage Stadt, zwei Tage Ausflug, dazwischen genug Luft. Die Stadttage sind so sortiert, dass man jeden Tag in einem Teil von Tokyo bleibt und nicht dreimal quer durch die Stadt fährt.
Für diese Route würde ich sieben Nächte in Shinjuku buchen, und zwar wegen der Ausflüge. Von Shinjuku fahren die Züge nach Hakone, nach Kamakura und an den Fuji direkt ab, die Busse zum Fuji ebenfalls. Man startet also jeden Ausflug praktisch vor der Haustür und ist abends schnell zurück.
Shinjuku ist allerdings groß, und nicht jede Ecke ist gleich angenehm. Die Ost- und Westseite unterscheiden sich stärker, als man denkt, und für die erste Reise würde ich klar auf eine Seite setzen. Welche das ist, warum, und welche Alternative es gibt, wenn einem Shinjuku zu groß ist, steht im Buch.
Am ersten Tag ist man müde, und das ist in Ordnung. Ich würde an diesem Tag nichts Großes planen und nur Shinjuku zu Fuß erkunden: die kostenlose Aussicht vom Rathaus, das erste Yakitori in den engen Gassen von Omoide Yokochō und ein kurzer Blick auf den Godzilla-Kopf in Kabukichō. Dann früh ins Bett, denn der Jetlag wird am nächsten Morgen noch nützlich.
Wer aus Europa kommt, ist am zweiten Tag meist schon um fünf wach. Genau dafür ist dieser Tag gebaut: Um sieben Uhr früh hat man den Sensō-ji in Asakusa fast für sich allein, ein paar Stunden später schieben sich dort die Massen durch. Danach geht es über Ueno mit dem Nationalmuseum und den Ameyoko-Markt nach Yanaka, dem Viertel, das noch aussieht wie das alte Tokyo. Am Abend dann das Gegenteil: Akihabara mit Spielhallen und Gacha-Automaten.
Was viele nicht wissen: Im 8. Stock des Asakusa Culture Tourist Information Center gibt es eine Aussichtsplattform, und sie ist gratis. Ich wusste das selbst lange nicht und war erst vor Kurzem zum ersten Mal oben, aber es hat sich wirklich ausgezahlt. Und wenn du Asakusa einmal anders erleben willst, kannst du dir dort auch einen Kimono ausborgen. Rund um den Sensō-ji gibt es viele Läden, die Kimono vermieten (ich habe das selbst einmal gemacht, und es war eine tolle Erfahrung).
Der moderne Tag, aber mit einem ruhigen Anfang. Der Weg durch den Wald zum Meiji-Schrein ist am Morgen meiner Meinung nach eines der schönsten Erlebnisse in Tokyo. Dann zu Fuß durch Harajuku und über die Omotesandō nach Shibuya, zur berühmten Kreuzung. Für den besten Blick darauf muss man übrigens nicht in ein überteuertes Café, es gibt eine Stelle, von der man sie gratis sieht (die steht im Buch).
Den Abschluss bildet Shibuya Sky zum Sonnenuntergang. Die Tickets für genau diese Uhrzeit sind allerdings sehr begehrt, wer spontan hingeht, hat meistens Pech.
Wenn ich nur einen einzigen Ausflug von Tokyo aus machen dürfte, wäre es dieser. Kamakura hat den Großen Buddha und den Tempel Hase-dera mit Blick aufs Meer. Dazu fährt die kleine Enoden-Bahn zwischen Häusern und Strand entlang, und am Ende des Tages sitzt man auf Enoshima und schaut den Sonnenuntergang an, bei klarer Sicht mit dem Fuji im Hintergrund.
Ich bin damals extra nach Kamakura gefahren, um vom Strand aus den Fuji zu sehen, und zuerst war er tatsächlich nicht sichtbar. Beim Sonnenuntergang ist er dann aber doch aufgetaucht, und das war wirklich atemberaubend schön. Man braucht also ein bisschen Glück mit dem Wetter, und manchmal auch ein bisschen Geduld.
Ein kleiner Stolperstein lauert schon bei der Anreise: Nicht jeder Zug, der in die richtige Richtung fährt, kommt auch in Kamakura an. Auf welchen man achten muss und wie man an diesem Tag mit einem Ticket alle Fahrten erledigt, erkläre ich im Buch.
Frühstück auf dem Tsukiji Outer Market (Tamagoyaki am Spieß!), danach teamLab Borderless, am Nachmittag der Tokyo Tower und die Kaufhäuser von Ginza, am Abend kleine Lokale unter den Bahnbögen von Yūrakuchō. Das ist der Tag mit dem gebuchten Zeitfenster für teamLab, und der Markt hat Ruhetage, die man bei der Planung kennen sollte. Ein Vorteil: Fast alles findet drinnen statt, das ist also der perfekte Tag für schlechtes Wetter.
Hier muss man sich entscheiden. Hakone, Nikkō und der Fuji rund um Kawaguchiko sind alle rund zwei Stunden von Shinjuku entfernt, und alle drei sind einen ganzen Tag wert. Für die erste Reise würde ich Hakone nehmen: Bergbahn, Seilbahn über die dampfenden Schwefelfelder von Ōwakudani, Piratenschiff über den Ashi-See und das rote Torii im Wasser. Das ist der vielseitigste der drei Ausflüge, und er funktioniert auch bei durchwachsenem Wetter.
Nikkō ist die bessere Wahl für alle, die Tempel im Wald lieben, und Kawaguchiko für alle, die dem Fuji so nah wie möglich sein wollen. Allerdings lohnt sich Kawaguchiko nur bei klarer Sicht. Im Buch stehen alle drei als fertige Tagespläne, man tauscht einfach den Tag.
Der letzte volle Tag ist bewusst der ruhigste. Morgens Shinjuku Gyoen, meiner Meinung nach der schönste Park der Stadt, dann nach Kichijōji mit dem Inokashira-Park und den Ruderbooten. Wer ein Ticket für das Ghibli-Museum ergattert hat, geht von dort zu Fuß hin. Am Nachmittag geht es nach Shimokitazawa. Da fahre ich selbst gern hin, wenn ich eine andere Seite von Tokyo sehen will, denn das Flair ist dort ganz anders als im Zentrum, und für Thrift-Shopping gibt es tolle Läden.
Am Abend zurück nach Shinjuku, erst zu einem guten Abendessen und danach auf einen Drink in Golden Gai, wo manche Bars kaum mehr als fünf Plätze haben. Golden Gai ist sehr touristisch, aber trotzdem cool, wenn man es einmal gesehen hat. Man sollte nur wissen, dass man dort hauptsächlich andere Ausländer trifft und kaum Einheimische.
Frühstück, Koffer, ab zum Flughafen. Wer tax-free eingekauft hat, sollte genug Zeit einplanen, denn ab November 2026 läuft die Steuererstattung anders als früher. Wie, steht in meinem Beitrag zu Tax-free in Japan.
Drei Dinge aus dieser Woche sollte man nicht dem Zufall überlassen:
Ein JR Pass ist für diese Route übrigens nicht nötig, denn man fährt keine einzige Shinkansen-Strecke.
Wenn du diese Woche planst, leg die beiden Ausflugstage nicht fix fest. Die Stadttage funktionieren bei jedem Wetter, Enoshima und vor allem der Fuji-Blick in Hakone oder Kawaguchiko aber nicht. Schau zwei Tage vorher auf die Wetterprognose und tausch die Tage, wenn nötig. Nur die gebuchten Zeitfenster bleiben, wo sie sind.
Beitrag teilenKennst du jemanden, der gerade eine Japanreise plant?
Diese Woche ist die Kurzfassung von Route 3 aus meinem Routenbuch „Japan, Tag für Tag“. Im Buch steht zusätzlich alles, was man unterwegs wirklich braucht:
185 Seiten als PDF. Bezahlt wird bei Payhip, den Download-Link bekommst du gleich danach.