Startseite › Blog › Alternativen zum Arashiyama
Manche bekannten Sehenswürdigkeiten in Japan sind viel zu überlaufen und meiner Meinung nach den Besuch nicht unbedingt wert. Vor allem, weil man oft viel Zeit mit Anstehen und Warten verliert, Zeit, in der man etwas anderes erleben könnte. Ein Beispiel dafür ist der Bambuswald in Arashiyama in Kyoto. Er ist schön, keine Frage, aber wenn man Pech hat, sieht man den Wald vor lauter Menschen nicht mehr.
Dabei gibt es in Japan viele andere schöne Bambushaine, nur stehen sie eben nicht in den gängigen Reiseführern. Hier sind 10 davon, sortiert nach der Stadt, von der aus du sie am einfachsten erreichst: 6 in und um Kyoto, 4 in und um Tokyo.
Vorweg ehrlich: Keiner dieser Orte ist so groß und so dicht wie der Arashiyama. Dafür hast du dort den Bambus oft fast für dich allein.
| Ort | Wo | Bambus | Ruhe | Eintritt | Passt zu |
|---|---|---|---|---|---|
| Adashino Nenbutsu-ji | Kyoto, Sagano | kurzer Hain mit Stufen | eher ruhig | 500 Yen | Arashiyama |
| Kōdai-ji | Kyoto, Higashiyama | kurzer Weg im Garten | je nach Tageszeit | 800 Yen | Gion, Kiyomizu-dera |
| Tenju-an | Kyoto, Nanzen-ji | kleiner Hain im Garten | eher ruhig | 500 Yen | Nanzen-ji, Philosophenweg |
| Jizō-in | Kyoto, Westen | Hain hinter dem Tor | sehr ruhig | 500 Yen | Bambuspark Rakusai |
| Bambuspark Rakusai | Kyoto, Westen | Park mit vielen Bambusarten | sehr ruhig | kostenlos | Jizō-in, Mukō |
| Bambusweg Mukō | Mukō bei Kyoto | 1,8 km Weg | sehr ruhig | kostenlos | Bambuspark Rakusai |
| Tonogayato-Garten | Tokyo, Kokubunji | Hain im Landschaftsgarten | ruhig | 150 Yen | Halbtag im Westen Tokyos |
| Hōkoku-ji | Kamakura | dichter Hain mit Teehaus | eher ruhig | 400 Yen | Tagesausflug ab Tokyo |
| Bambusweg Shuzenji | Izu | kurzer Weg am Fluss | je nach Tageszeit | kostenlos | Onsen-Übernachtung |
| Wakayama-Farm | Utsunomiya | großer Bambuswald, 24 ha | ruhig | 900 Yen | Tagesausflug nach Nikkō |
Wenn du den berühmten Bambusweg unbedingt selbst sehen willst, geh so früh wie möglich hin. Der Weg ist frei zugänglich und kostet nichts, und am frühen Morgen sind deutlich weniger Menschen unterwegs als ab dem späten Vormittag, wenn die Reisegruppen ankommen. Danach kannst du direkt weiter zum Adashino Nenbutsu-ji, der liegt im selben Viertel.
Der naheliegendste Ausweg, wenn du ohnehin in Arashiyama bist, denn der Tempel liegt im selben Viertel Sagano, nur ein Stück weiter oben. Bekannt ist er vor allem für die Tausenden kleinen Steinfiguren auf dem Gelände, die an Verstorbene erinnern, die früher in dieser Gegend ohne Grab beigesetzt wurden. Ganz hinten im Tempelgelände führt eine Treppe durch einen Hain aus Mōsō-Bambus, und genau dort wird es angenehm still.
Der Hain ist deutlich kürzer als der Weg in Arashiyama. Für ein paar ruhige Minuten und ein Foto ohne fremde Hinterköpfe reicht er aber völlig.
Der Tempel wurde Anfang des 17. Jahrhunderts von Nene gegründet, der Witwe des Reichseinigers Toyotomi Hideyoshi. Er liegt im Osten Kyotos, also genau dort, wo die meisten ohnehin unterwegs sind: zwischen Gion und dem Kiyomizu-dera. Im Garten führt ein kurzer Weg durch einen Bambushain, der mit seinem Licht sehr fotogen ist.
Zugegeben, der Bambusweg ist hier nur ein kleiner Teil des Tempels und ziemlich kurz. Dafür bekommst du einen schönen Zen-Garten und gut erhaltene Gebäude dazu, und der Umweg ist kaum der Rede wert. Im Herbst gibt es abends eine Beleuchtung, 2026 vom 23. Oktober bis 13. Dezember.
Tenju-an ist ein kleiner Nebentempel des großen Nanzen-ji im Osten Kyotos, ganz in der Nähe des Philosophenwegs. Er hat zwei Gärten, einen Steingarten und einen Teichgarten zum Durchspazieren, und dazu einen kleinen Bambushain. Der Hain ist klein, das sei gleich gesagt, aber zusammen mit den Gärten ein schöner, ruhiger Halt, wenn du ohnehin am Nanzen-ji bist.
Jizō-in wird auch Take-no-tera genannt, der „Bambus-Tempel“, und der Name ist Programm: Hinter dem Eingangstor beginnt ein dichter Bambushain. Der kleine Zen-Tempel stammt aus dem 14. Jahrhundert und hat außerdem einen Steingarten auf Moos. Er liegt im Westen Kyotos, abseits der üblichen Wege, und ist deshalb meist sehr ruhig. Vom Bambuspark Rakusai ist es nicht weit.
Ein Haken: Der Tempel hat an manchen Wochentagen geschlossen, und die Angaben dazu sind nicht ganz einheitlich. Laut dem Reiseportal Rurubu ist montags und donnerstags zu, mit Ausnahmen im Frühling und Herbst. Plan den Besuch also nicht auf gut Glück, sondern ruf vorher an oder lass es dir im Hotel bestätigen. Laut Rurubu gibt es außerdem einen eigenen Eintrittspreis für Besucher aus dem Ausland, der höher liegt als für Einheimische.
Der Rakusai-Bambuspark der Stadt Kyoto ist eine Art Freiluft-Museum für Bambus. Im Garten wachsen viele verschiedene Bambusarten, dazu gibt es ein kleines Bambusmuseum und alte Steinfiguren im Grün. Der Eintritt ist frei, und Touristen verirren sich nur selten hierher. Er liegt im selben Teil Kyotos wie der Jizō-in und der Bambusweg in Mukō, die drei lassen sich gut an einem halben Tag verbinden.
Wenn du einen richtigen Spaziergang durch Bambus willst und nicht nur ein paar Meter, ist das die beste Alternative. Die Stadt Mukō liegt südwestlich von Kyoto in einer Gegend, die für ihren Bambus bekannt ist. Der Take-no-michi, der „Bambusweg“, ist rund 1,8 Kilometer lang und von Bambushainen gesäumt. Entlang des Weges stehen acht verschiedene Arten von Bambuszäunen, einige davon eigens für diesen Weg entworfen.
Der Weg kostet nichts und ist jederzeit zugänglich. Allerdings brauchst du für die Anfahrt etwas Zeit. Am besten kombinierst du ihn mit dem Bambuspark Rakusai, dann lohnt sich der halbe Tag. Dafür hast du den Bambus hier oft wirklich fast für dich allein.
Wer gar nicht aus Tokyo raus will, findet im Westen der Stadt einen kleinen Landschaftsgarten mit Bambushain. Der Tonogayato-Garten in Kokubunji liegt an einem Hang mit Quellen, Teich und einem kleinen Teehaus, und ein schmaler Weg führt durch den Bambus. Groß ist das alles nicht, aber für 150 Yen und zwei Minuten vom Bahnhof eine schöne Pause von der Großstadt.
Kamakura ist der Klassiker unter den Bambus-Ausflügen ab Tokyo. Der Zen-Tempel Hōkoku-ji hat einen dichten Hain aus hohem Mōsō-Bambus, und mitten darin steht ein kleines Teehaus, in dem man Matcha mit einer kleinen Süßigkeit trinken kann, mit Blick direkt in den Bambus. Von Tokyo aus bist du in gut einer Stunde dort: 56 Minuten mit der JR Yokosuka-Linie bis Kamakura, dann noch ein kurzes Stück mit dem Bus.
Zugegeben, er ist nicht ganz so imposant wie der Arashiyama, aber dafür ist es dort viel ruhiger. Und mit einem Matcha in der Hand fühlt sich der Bambus ohnehin anders an als im Gedränge.
Shuzenji ist ein alter Onsen-Ort auf der Izu-Halbinsel, und mitten im Ort führt ein rund 400 Meter langer Weg am Fluss Katsura entlang durch Bambus, vorbei an roten Brücken. Der Weg ist kostenlos und jederzeit zugänglich, abends wird er beleuchtet. Tagsüber kann es dort durchaus voll werden. Wer aber im Ort übernachtet, hat ihn am Abend oder am frühen Morgen fast für sich, und genau dafür lohnt sich Shuzenji: als Onsen-Nacht mit Bambus-Spaziergang.
Wenn du einen Bambuswald willst, der wirklich groß ist, ist das die Adresse. Die Wakayama-Farm bei Utsunomiya ist ein Familienbetrieb, der seit über 100 Jahren Bambussprossen und Esskastanien anbaut, und der Bambuswald gehört zu einem rund 24 Hektar großen Gelände. Die Farm wurde schon oft als Drehort genutzt, es gibt eine Beleuchtung am Abend, ein Café und Bastelkurse mit Bambus.
Die Anfahrt ist der Haken: Utsunomiya liegt etwa eine Stunde mit dem Shinkansen nördlich von Tokyo, und vom Bahnhof braucht man noch ein Taxi oder Auto. Am besten verbindest du es mit einem Ausflug nach Nikkō, das liegt in derselben Richtung.
Bambus wirkt bei weichem Licht am schönsten, also am Morgen oder am späten Nachmittag. In der Mittagssonne sehen die Halme oft flach aus. Und weil die meisten dieser Orte Tempel sind, gilt dort, was in jedem Tempel gilt: auf den Wegen bleiben, leise sein und niemandem für ein Foto den Weg versperren. Wenn du die Öffnungszeiten vorher kurz auf der offiziellen Seite prüfst, sparst du dir außerdem den Ärger, vor einem geschlossenen Tor zu stehen.
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Drei der Orte oben stehen auch in der Broschüre „Japan, Ort für Ort“: der Hōkoku-ji in Kamakura, der Tenju-an am Nanzen-ji und der Arashiyama selbst, mit der besten Uhrzeit für deinen Besuch. Dazu 112 weitere Orte von Tokyo bis Hiroshima, jeder mit Eintritt, Öffnungszeiten und Anfahrt, und dem ehrlichen Hinweis, was du dir sparen kannst.
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