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Herbst

Herbstlaub
in Japan

Von Pia. Zuletzt geprüft im September 2026.

Die rot lackierte Bentendō-Halle des Daigo-ji am Teichufer, umgeben von rotem und orangem Ahorn, davor eine geschwungene Holzbrücke
Die Bentendō-Halle des Daigo-ji im Südosten von Kyoto.

Am 2. September 2026 kam die erste Kōyō-Prognose für diesen Herbst. Für Kyoto steht darin der 11. Dezember. Wer seine Reise auf die zweite Novemberhälfte gelegt hat, steht dort unter Umständen vor grünen Ahornbäumen.

Die kurze Antwort: Die Farbe beginnt Mitte September in den Bergen Hokkaidos und erreicht Kyoto erst Ende November. Heuer liegt der Höhepunkt vielerorts später als im langjährigen Mittel, weil der Sommer lange warm geblieben ist.

Für die Planung zählen Höhenlage und Breitengrad. Der Kalendermonat allein sagt wenig.

Was die Prognose für 2026 sagt

Die Zahlen stammen aus der ersten Ausgabe der Kōyō-Prognose vom 2. September 2026. Sie nennt für jede Stadt den Tag, an dem das Laub voraussichtlich am schönsten steht, getrennt nach Ahorn (momiji) und Ginkgo (ichō).

StadtAhornGinkgo
Sapporo7. November6. November
Hiroshima28. November20. November
Tokyo29. November26. November
Nagoya2. Dezember17. November
Osaka4. Dezember24. November
Fukuoka7. Dezember27. November
Kyoto11. Dezember27. November

Zwei Dinge fallen auf. In Kyoto liegen zwischen dem gelben Ginkgo und dem roten Ahorn gut zwei Wochen. Wer beides sehen will, muss sich entscheiden oder lange bleiben. Und Sapporo liegt elf Tage hinter dem langjährigen Mittel, während Tokyo beim Ahorn genau im Mittel liegt. Die Verschiebung trifft den Norden härter.

Ginkgobäume reagieren empfindlicher auf Temperatur als Ahorn. Deshalb sind sie in fast jeder Stadt früher dran.

Die Prognose wird im Lauf des Herbstes mehrfach nachgeschärft. Die Septemberausgabe taugt für die Flugbuchung. Für die Frage, an welchem Tag man vor welchem Tempel steht, taugt sie nicht.

Warum die Bäume heuer länger brauchen

Blätter färben sich, wenn die Nächte kühl werden. Bleibt die Wärme, verschiebt sich alles nach hinten. Für 2026 wird ein wärmerer Herbst als üblich erwartet, und genau so fallen die Prognosen aus.

Bei der Qualität der Färbung wird es dünner. Die Japan Weather Association schreibt, eine schöne Färbung brauche einen heißen, sonnigen Sommer mit ausreichend Niederschlag. Ob extreme Hitze ab einem bestimmten Punkt schade, sei mit Daten nicht belegt. Es gebe die Vermutung, mehr nicht.

Dazu kommen Taifune. Weht im September Wind vom Meer landeinwärts, bringt er Salz mit, und das schädigt die Blätter. Wie stark, hängt vom Jahr ab.

Ich schreibe das so deutlich, weil im Netz gern mit Sicherheit behauptet wird, wo keine ist.

Die Farbe wandert nach Süden und nach unten

Grob gerechnet sieht der Ablauf so aus:

RegionBeginnHöhepunkt
HokkaidōMitte SeptemberEnde September bis Anfang Oktober
TōhokuEnde SeptemberAnfang bis Mitte Oktober
Japanische AlpenEnde SeptemberAnfang bis Mitte Oktober
KantōMitte OktoberEnde Oktober bis Mitte November
ChūbuMitte OktoberAnfang bis Mitte November
KansaiMitte OktoberMitte November bis Anfang Dezember
Chūgoku, ShikokuEnde OktoberMitte bis Ende November
KyūshūAnfang NovemberMitte November bis Anfang Dezember

Die Höhe wirkt dabei stärker als der Breitengrad. Nikkō zeigt das auf wenigen Kilometern Straße:

Zwischen oben und unten liegen fünf Wochen. Wer im Oktober nach Nikkō fährt und im Ort nur Grün findet, fährt hinauf.

Ein Haken bleibt: Die Irohazaka staut sich in der Hochsaison. Also unter der Woche hin und früh losfahren.

Kyoto, und was dort wirklich los ist

Der Tōfuku-ji hat die bekanntesten Ahornbäume der Stadt und in der zweiten Novemberhälfte den größten Andrang. Ein japanischer Reiseblog schreibt, man stehe selbst bei Öffnung am Ticketschalter lange an, und zwar auch unter der Woche. Schön ist es trotzdem. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt.

Ein paar Orte färben sich früher als das Stadtzentrum. Takao im Nordwesten und Ōhara mit dem Sanzen-in liegen höher und sind meist ein paar Tage voraus. Das öffnet ein Zeitfenster, in dem die Stadt selbst noch grün ist und die Berge schon stehen.

Unter Einheimischen gilt der Shinnyo-dō als der ruhigere Klassiker. Der Enkō-ji hat in der Hochsaison in der Vergangenheit eine Onlinereservierung verlangt, ein Blick auf die Tempelseite vor der Reise lohnt sich.

Der Daigo-ji auf dem Foto oben liegt im Südosten, weit genug draußen, dass ein Teil der Tagesbesucher ihn auslässt. Laut Website des Tempels ist von 1. März bis zum ersten Sonntag im Dezember von 9 bis 17 Uhr geöffnet, letzter Einlass 30 Minuten vor Schluss. Das Kombiticket kostet vom 15. Oktober bis 10. Dezember 1.500 Yen statt 800 Yen. Stand September 2026, solche Angaben ändern sich.

Abends beleuchtet

Viele Tempel öffnen in der Saison ein zweites Mal am Abend und beleuchten den Garten. Der Eikan-dō und der Kōdai-ji machen das seit Jahren, der Kiyomizu-dera ebenfalls. Die Termine stehen meist erst im Oktober fest und gelten nur für wenige Wochen.

Der Kartenverkauf endet dabei regelmäßig deutlich vor dem Schluss. Wer kurz vor Ende am Eingang steht, kommt womöglich nicht mehr hinein.

Fotografieren ist nicht überall erlaubt. Der Tōfuku-ji hat 2016 vom 12. bis 30. November das Fotografieren auf den überdachten Brücken Tsūten-kyō und Gaun-kyō untersagt. Der Tempel nannte das Gedränge und die Gefahr, die davon ausgeht. Im Hōjō-Garten waren damals Selfiesticks verboten, normales Fotografieren blieb erlaubt.

Die Regelung wird saisonal neu ausgeschildert, verlass dich also nicht auf ältere Reiseberichte. Rechne damit, dass die schönste Aussicht die ist, die du nur anschaust.

Wenn du nur eine Woche hast

Die häufigste Enttäuschung entsteht so: zu kurzes Zeitfenster, zu südliche Route. Ende Oktober ist Kyoto grün. Mitte November ist Nikkō vorbei.

Zwei Varianten, die meistens aufgehen:

Beides in einer Reise geht nicht. Zwischen dem Höhepunkt in Nikkō und dem in Kyoto liegen rund sechs Wochen.

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