Startseite › Blog › Higanbana in Japan

Herbst

Higanbana in Japan: wann und wo die roten Spinnenlilien blühen

Von Pia · Zuletzt geprüft im September 2026

Dichter roter Teppich aus Higanbana-Blüten unter lichten Laubbäumen, im Hintergrund einzelne Besucher
So sieht eine Fläche in voller Blüte aus. Lange hält das leider nicht.

Als ich zum ersten Mal eine Higanbana gesehen habe, war ich absolut fasziniert. Bei uns zu Hause hatte ich diese Blume noch nie gesehen, ich kannte sie nur aus Anime, und dort hat sie ja eher eine düstere Bedeutung. Woher dieser Ruf kommt, hat übrigens einen ziemlich handfesten Grund, dazu weiter unten mehr.

Wenn du die roten Felder selbst sehen willst, brauchst du vor allem eins: gutes Timing. Die Blüte ist kurz, und wer zu früh oder zu spät kommt, steht vor grünen Stängeln oder welken Resten.

Wann blühen Higanbana?

Die Blüte läuft meist von Mitte September bis Anfang Oktober. Ihren Namen hat die Higanbana von Higan, der Woche rund um die Herbst-Tagundnachtgleiche, 2026 war das vom 20. bis 26. September. Eine einzelne Fläche steht etwa eine Woche in voller Blüte. Wenn du sie sehen willst, plan also eher kurzfristig und schau vorher auf den Blühstand.

Wie schnell das geht, hat man 2026 gut gesehen: Am 9. September meldete der Park Kinchakuda, dass in einzelnen Bereichen gerade die ersten Triebe aus der Erde kommen. Bis zur roten Fläche, die man von den Fotos kennt, dauert es dann meist keine zwei Wochen.

An Orten mit mehreren Farben blühen die übrigens nicht gleichzeitig. In Yokohama standen am 11. September 2026 die gelben schon in voller Blüte, während die roten noch nicht einmal ausgetrieben waren. Wenn du ein bestimmtes Bild im Kopf hast, solltest du also wissen, welche Farbe du eigentlich meinst.

Was ist Higanbana?

Higanbana heißt botanisch Lycoris radiata, auf Deutsch Rote Spinnenlilie, auf Englisch Red Spider Lily. Im Japanischen sagt man neben higanbana auch manjushage. Die Pflanze treibt ohne Blätter aus dem Boden, blüht innerhalb weniger Tage auf und zieht sich dann wieder zurück. Die Blätter kommen erst danach und bleiben über den Winter.

Warum hat die Higanbana so einen düsteren Ruf?

Die Pflanze ist giftig, vor allem die Zwiebel. Das war der Grund, warum sie überhaupt an so vielen Stellen steht. Bauern setzten sie an die Ränder der Reisfelder, um Wühlmäuse fernzuhalten, und auf Friedhöfe, damit Tiere die Gräber in Ruhe ließen. Die roten Bänder zwischen den Feldern sind also kein Zufall, sondern Schädlingsbekämpfung aus der Zeit vor dem Chemikalienhandel.

Aus dieser Verbindung zum Friedhof stammt auch ihr zweifelhafter Ruf. Im Japanischen hat sie Namen wie „Totenblume“ und „Feuerblume“, und in manchen Gegenden bringt es Unglück, sie mit nach Hause zu nehmen. Vermutlich ist das auch der Grund, warum sie in so vielen Anime für etwas Düsteres steht. Pflücken wäre aber ohnehin keine gute Idee, siehe oben: giftig.

10 Orte, an denen du Higanbana sehen kannst

Hier sind 10 Orte, an denen man die Spinnenlilien in Japan besonders gut sehen kann, sortiert nach Erreichbarkeit von den üblichen Basen aus: von Tokyo über Nagoya bis Kansai. Alle Termine und Preise sind Stand 2026, die Feste werden jedes Jahr neu angesetzt.

1. Kinchakuda, Hidaka (Saitama)

Die größte Higanbana-Fläche Japans und der Ort, den fast jeder meint, wenn von Higanbana die Rede ist. Rund fünf Millionen Blüten stehen hier auf 22 Hektar in einer Flussschleife, die aussieht wie ein Geldbeutel, daher auch der Name. Die Blüten wachsen unter lichtem Laubwald, so entstehen diese roten Teppiche mit Baumstämmen darin. Rund 300.000 Menschen kommen jedes Jahr allein zur Blüte, entsprechend voll kann es werden.

Was viele nicht wissen, obwohl es der Park selbst sagt: Am ersten Festtag muss noch nichts blühen. Und der kostenpflichtige Zeitraum deckt sich nicht mit dem Festzeitraum. Den Blühstand gibt es auch per Telefonansage, die Nummer steht unten.

Adresse
〒350-1251 埼玉県日高市大字高麗本郷125-2
Geöffnet
Stand 2026: Manjushage-Fest 21. September bis 6. Oktober, täglich 9:00 bis 16:30. Büro 8:00 bis 17:00
Hinkommen
Seibu-Ikebukuro-Linie bis Kōma (高麗), 15 Minuten zu Fuß. Ab JR Komagawa 40 Minuten zu Fuß
Kostet
In der Blütezeit kostenpflichtig, die Höhe für 2026 war Anfang September noch nicht veröffentlicht. Parken 500 Yen pro Auto
Telefon
042-982-0268, Blühansage 050-3490-0873 (2026 geschaltet vom 1. September bis 10. Oktober)
Offiziell
kinchakuda.com, mit Blühmeldungen

2. Gongendō-Park, Satte (Saitama)

Rund drei Millionen Blüten auf einem alten Hochwasserdeich. Im Frühling ist die Gegend für ihre Kirschbäume bekannt, im Herbst gehört sie den Higanbana. Am mittleren Deichabschnitt gibt es ein Teehaus mit selbst gebackenem Brot, falls du zwischendurch eine Pause brauchst.

Adresse
埼玉県幸手市大字内国府間887-3
Geöffnet
Freigelände. Stand 2026: Manjushage-Fest 19. September bis 4. Oktober
Hinkommen
Tobu-Bahnhof Satte (幸手), dann Bus Richtung Rathaus Goka-machi bis Gongendō-iriguchi
Kostet
Kein Eintritt angegeben
Telefon
0480-44-0873
Offiziell
gongendo.jp, mit Blühmeldungen

3. Terasaka-Reisterrassen, Yokoze (Saitama)

An den Rändern der größten Reisterrasse der Präfektur stehen rund zwei Millionen Blüten, dahinter der markant abgeschnittene Bukō-san. Wenn du Higanbana lieber vor Bergkulisse als im Wald sehen willst, bist du hier richtig. Das Fest dauert nur einen Tag: Dann wird der geschnittene Reis kopfüber zum Trocknen aufgehängt.

Adresse
埼玉県秩父郡横瀬町横瀬1846
Geöffnet
Freigelände. Stand 2026: Fest am 27. September, nur dieser eine Tag
Hinkommen
Seibu-Bahnhof Yokoze (横瀬), 15 Minuten zu Fuß
Kostet
Kein Eintritt angegeben
Offiziell
Tourismusportal der Präfektur Saitama

4. Hinata Yakushi, Isehara (Kanagawa)

Eine der bekanntesten Higanbana-Kolonien im Raum Kantō, an Reisfeldern entlang des Hinata-Flusses unterhalb eines alten Tempels. Das Besondere: Hier stehen rote, weiße und gelbe Higanbana nebeneinander, und das sieht man selten. Der Ort zählt zu den hundert Blumenorten Kanagawas.

Wie wichtig der Blick auf den Blühstand ist, zeigt dieser Ort gut: Am 11. September 2026 meldete die Stadt Isehara, es blühe erst vereinzelt, und einige Flächen seien deshalb noch abgesperrt. Schau vor deinem Besuch also auf der Seite der Stadt nach.

Adresse
神奈川県伊勢原市日向1644
Geöffnet
Felder frei zugänglich. Tempelbüro April bis Oktober 9:30 bis 17:00, Schatzhalle 9:00 bis 17:00
Hinkommen
Bahnhof Isehara, Kanachu-Bus bis Endstation Hinata Yakushi (20 Minuten), dann 15 Minuten den Tempelweg hinauf
Kostet
Für die Felder kein Eintritt angegeben
Telefon
0463-95-1416
Offiziell
Stadt Isehara, mit tagesaktuellem Blühstand

5. Saihō-ji, Yokohama

Der stadtnächste Ort auf dieser Liste. Etwa 20.000 Blüten säumen den Weg bis zum strohgedeckten Tor, neben Rot auch Gelb und Weiß, im Tempelbereich sogar Rosa. Nach Blütenzahl ist das wenig, nach Aufwand aber unschlagbar: Vom U-Bahnhof sind es nur fünf Minuten.

Der Tempel pflegt seine Website besser als die meisten und meldet dort den aktuellen Blühstand. Er bittet ausdrücklich darum, nicht anzurufen, sondern die Seite zu lesen, und daran sollte man sich auch halten.

Adresse
〒223-0057 神奈川県横浜市港北区新羽町2586
Geöffnet
Keine Zeiten für das Gelände angegeben. Mittwoch ist Ruhetag des Tempelbetriebs. Telefon 9:00 bis 17:00
Hinkommen
U-Bahn Yokohama Blue Line bis Nippa (新羽), 5 Minuten zu Fuß. 20 Parkplätze
Kostet
Kein Eintritt angegeben. 2026 gab es vom 12. September bis 6. Oktober ein Sondersiegel zur Blüte
Telefon
045-531-2370
Offiziell
saihouji-yokohama.com, tagesaktueller Blühstand

6. Sokō-in, Matsudo (Chiba)

Rund 300.000 Pflanzen hinter der Haupthalle, die meisten rot, dazwischen weiße und gelbe, vereinzelt auch blassrosa. Manchmal wird der Tempel „Mini-Kinchakuda“ genannt, er ist aber ein ganz normaler Stadtteiltempel ohne Festbetrieb. Und genau das ist der Punkt: Wenn dir der Trubel in Kinchakuda zu viel ist, hast du hier acht Minuten vom Bahnhof entfernt deine Ruhe. Das Zeitfenster ist allerdings kurz, meist nur Mitte September.

Adresse
千葉県松戸市金ケ作352
Geöffnet
Tempelgelände, keine Zeiten angegeben. Keine Veranstaltung
Hinkommen
Bahnhof Tokiwadaira, 8 Minuten zu Fuß
Kostet
Kein Eintritt angegeben
Offiziell
keine eigene Seite gefunden
Nahaufnahme mehrerer Higanbana-Blüten mit stark zurückgebogenen Blütenblättern und langen roten Staubfäden vor dunklem Hintergrund
Aus der Nähe sieht man, woher der englische Name Spider Lily kommt.

7. Yakachi-Deich, Handa (Aichi)

Über drei Millionen Blüten auf anderthalb Kilometern Flussdeich, und dazu die schönste Geschichte auf dieser Liste. Handa ist die Heimatstadt von Niimi Nankichi, dessen Märchen „Gon, der Fuchs“ in japanischen Schulbüchern steht und genau hier am Yakachi spielt. Darin blühen die Higanbana „wie ein rotes Tuch“. 1990 griff ein Jugendfreund des Autors diese Zeile auf, und Anwohner setzten gemeinsam die Zwiebeln. Das ganze Blütenfeld geht also auf einen einzigen Satz zurück.

Am Südufer führt ein Fußweg entlang, das Nordufer ist ein asphaltierter Radweg.

Adresse
〒475-0001 愛知県半田市岩滑西町1-10-1
Geöffnet
Freier Deich. Stand 2026: Gon-Herbstfest 26. September bis 4. Oktober, Beleuchtung 1. bis 4. Oktober von 18:00 bis 20:30
Hinkommen
Meitetsu-Kowa-Linie ab Meitetsu Nagoya bis Handaguchi (半田口), 10 Minuten zu Fuß zum Deich, 20 Minuten bis zum Niimi-Nankichi-Museum
Kostet
Kein Eintritt angegeben
Telefon
0569-32-3264 (Tourismusverband Handa)
Offiziell
Tourismusverband Handa

8. Tsuya-Deich, Kaizu (Gifu)

Hier sind es 100.000 Blüten auf drei Kilometern, vor der Kulisse des Yōrō-Gebirges. Das Besondere ist das Wasser: Bei Sonne spiegeln sich die roten Bänder im Fluss, entsprechend viele Stative stehen dort. Außerdem ist das einer der wenigen Orte, an die man wirklich mit der Bahn kommt.

Ein Hinweis zur Aktualität: Die Seite der Stadt Kaizu stand Anfang September 2026 noch auf dem Stand von 2025, ein Festtermin für 2026 war nicht veröffentlicht.

Adresse
Flussdeich ohne Hausnummer. Ausgangspunkt ist der Bahnhof Mino-Tsuya, 岐阜県海津市南濃町
Geöffnet
Freier Deich, keine Zeiten
Hinkommen
Yōrō-Bahn bis Mino-Tsuya (美濃津屋), 10 Minuten zu Fuß
Kostet
Kein Eintritt. Zeitweiliger Parkplatz 500 Yen pro Fahrzeug
Telefon
0584-53-1115 (Stadt Kaizu)
Offiziell
Stadt Kaizu

9. Kuhon-ji, Gose (Nara)

Der schönste Blick auf dieser Liste, wenn man den Weg auf sich nimmt. Der Tempel liegt am Hang, die Blüten stehen an den Rändern der Terrassenfelder, und dahinter öffnet sich das Nara-Becken mit den drei Yamato-Bergen. Am besten kommst du morgens, weil die Sonne dann von Osten in die Blüten fällt.

Bitte nicht mit dem Mietwagen. Die Zufahrt ist schmal und in der Saison dauerhaft verstopft. Der Parkplatz ist für die Menschen reserviert, die zu den Gräbern kommen, denn Higan ist in Japan die Woche der Grabbesuche. Wer trotzdem mit dem Auto kommt, nimmt den Platz jemandem weg, der an diesem Tag seine Verstorbenen besucht. Das ist kein Foto wert.

Adresse
奈良県御所市楢原1188
Geöffnet
Tempelgelände tagsüber frei zugänglich
Hinkommen
Bahnhof Gose (Kintetsu oder JR), etwa 40 Minuten zu Fuß. Taxi ab Bahnhof ist die bequemere Lösung
Kostet
Kein Eintritt für das Gelände
Telefon
0745-62-3001
Offiziell
keine eigene Seite gefunden

10. Anao-ji, Kameoka (Kyoto)

Der Ort für alle, die in Kyoto untergebracht sind. Der Tempel ist die einundzwanzigste Station der Saigoku-Kannon-Pilgerroute und hat einen denkmalgeschützten Garten. Die Higanbana stehen auf den Feldrainen ringsum, ein roter Saum vor reifem Reis. Im Garten selbst wächst übrigens keine.

Eine zweite Möglichkeit in Kyoto ist Ōhara im Norden der Stadt, dort blüht es an Bächen und Feldrändern etwas später. Ōhara liegt allerdings in der entgegengesetzten Richtung, plan es also lieber für einen anderen Tag ein.

Adresse
〒621-0029 京都府亀岡市曽我部町穴太東辻46
Geöffnet
Haupthalle und Garten 8:30 bis 16:15. Von Anfang Dezember bis Anfang März nur die Haupthalle
Hinkommen
JR bis Kameoka, Bus bis Anao-guchi (穴太口), dann 10 Minuten zu Fuß
Kostet
500 Yen für Haupthalle und Garten, Gruppen 400 Yen. Die Felder ringsum sind frei
Telefon
0771-24-0809
Offiziell
Saigoku-Pilgerverband, Station 21

Worauf du achten solltest

Das Zeitfenster ist eng. Zwischen den ersten Trieben und den welken Blüten liegen oft nur drei Wochen, die volle Blüte hält etwa eine Woche. Wenn du den Termin schon Monate vorher festlegst, ist das ein bisschen wie Würfeln. Schau deshalb vor dem Losfahren auf den Blühstand. Die meisten Orte melden ihn auf ihrer Website oder über Social Media, Kinchakuda sogar per Telefonansage.

Dazu kommt, dass die Blüte genau in die Woche fällt, in der viele Familien die Gräber ihrer Angehörigen besuchen. Manche dieser Orte sind Friedhöfe oder liegen direkt daneben. Ein Stativ mitten im Weg ist dort noch unangenehmer als anderswo.

Festtermine und Preise ändern sich jedes Jahr. Alle Angaben oben stammen von den Betreibern selbst, Stand September 2026. Bitte schau vor deiner Reise noch einmal auf der offiziellen Seite nach.

Beitrag teilenKennst du jemanden, der gerade eine Japanreise plant?

Japan, Ort für Ort: Cover mit Fuji, aufgefächerte Seiten und die Ansicht am Handy, 222 Seiten

Und der Rest deiner Reise?

Higanbana blühen nur ein paar Wochen im Jahr. Für alles andere gibt es die Broschüre „Japan, Ort für Ort“: über 180 Orte in 13 Regionen, jeder mit eigenem Eintrag, mit Anfahrt, Preis, Öffnungszeiten und Dauer.

Für 19 € kaufen

222 Seiten als PDF. Bezahlt wird bei Payhip, den Download-Link bekommst du gleich danach.

Weiterlesen Herbstlaub in Japan: wann und wo
Mondfeste und Yōkai in Kyoto
Alle Beiträge